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Saudi-Arabien öffnet Börse für Ausländer


Es gab in Saudi-Arabien in den letzten Monaten durchaus einige bemerkenswerte Veränderungen. Der Thronbesteigung durch König Salman im Januar folgten eine durchgreifende Veränderungen im Kabinett und auch in der Thronlinie des Hauses Al Saud, indem der „Sudairi-Clan“ sich wieder fest positionierte. Die Eskalalation der Ereignisse im Jemen brachte eine Änderung der seitherigen Verteidigungspolitik, verbunden mit einer engeren militärischen Koordination mit einigen Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates(GCC), einschließlich die V.A.E.

Eine der wichtigsten Veränderungen allerdings erfolgte am 15.Juni 2015 an der wirtschaftlichen Front, nämlich die Öffnung der Börse von Riyad, Tawadul, für ausländische Investoren.

Diese Maßnahme, wird wichtige Auswirkungen haben, auf Saudi-Arabien und die ganze MENA-Region.

Tawadul ist mit bei weitem die größte Börse im Nahen und Mittleren Osten und die siebtgrösste in der Welt. Tawadul hat eine Marktkapitalisierung von etwa 530 Milliarden $, das sind mehr als 505 der Marktkapitalisierung aller anderen Börsen in der MENA-Region.

TAWADUL ist - im Verhältnis zu anderen Börsen in der Region - relativ diversifiziert, mit Aktien etwa aus den Bereichen Petrochemie, Bankwesen, Telekom, Immobilien und Einzelhandel.

Die Maßnahme war bereits seit Sommer letzten Jahres angekündigt, ist also keineswegs eine Reaktion auf – von Saudi-Arabien geduldeten bzw. herbeigeführten – Verfall des Ölpreises seit Herbst letzten Jahres. (Zur Ölpreispolitik der OPEC bzw. Saudi-Arabiens siehe auch unter : Aktuelle Informationen/Wirtschaft).

Doch natürlich besteht insofern ein Zusammenhang, als mit der Öffnung der Börse für ausländische Anleger und Investoren zumindest ein Teil der, laut IMF, massiven Verluste von bisher 380 Milliarden $ - das entspricht 21% des Bruttosozialproduktes, wieder wettgemacht werden könnte.

Doch selbst zu einer Zeit, in der Saudi-Arabien und andere Ölexporteure sich einem Ölpreis-Tsunami ausgesetzt sehen, soll die Öffnung der Börse für Ausländer doch primär makroökonomische Wirkungen zeitigen, die über die Ölpreis-Entwicklung hinausgehen, ja, mittel – und langfristig die Abhängigkeit von den Einnahmen aus dem „schwarzen Gold durch die Diversifizierung der Wirtschaft vermindern soll. Denn Öl macht immer noch 92 % der Einnahmen der Regierung aus und obwohl der Anteil des Bruttosozialproduktes, der nicht aus Öleinnahmen besteht, in den letzten Jahren zugenommen hat, sind Exporte aus den Sektoren außerhalb des Öls noch sehr überschaubar.

Die Öffnung des Börsenmarktes kommt nicht unvermittelt, sie kommt vielmehr als Teil einer bereits seit mehr als zehn Jahren verfolgten Politik wirtschaftlicher Liberalisierung und schrittweiser Integration in den Weltmarkt. Saudi-Arabien war erfolgreich darin, seine Infrastruktur zu verbessern, baute „Economic Cities und Industriezonen auf, stärkte sein Bildungs- und Ausbildungssystem , verschaffte SME’s Zugang zu Finanzierung. Substantielle Fortschritte wurden erzielt bei den Kennzahlen wirtschaftliche Betätigung und des Geschäftsklimas. Saudi Arabien ist heute das einzige Land des mittleren Ostens, das Mitglied der OPEC und Mitglied der G 20 ist. Es trat der WTO im Jahre 2005 bei, ein Schritt der einige Maßnahmen verlangte, wie etwa die Einführung einer Gesetzgebung, welche etwa die Möglichkeit einer ausländischen Mehrheitsbeteiligung von 60 % bei Banken und Versicherungen und 75% bei Vertriebsgesellschaften vorsieht.

Auch bei den Regularien von TAWADUL gab es in den letzten Jahren bereits einige Veränderungen. Die Regulierungsbehörde für den Kapitalmarkt hatte bereits in den letzten Jahren einige Schritte zur Liberalisierung dieses Marktes eingeleitet, einschließlich einer Koordination mit anderen Finanzmärkten des Golfkooperationsrates und die Verbesserung der Corporate Governance Standards, um den saudischen Markt für ausländische Investoren attraktiv zu machen.

Die Marktzugangsregularien vom August 2014 beinhalteten allerdings eine Beschränkung ausländischen Eigentums auf 10 % des Marktvolumens und auch die Bestimmung, dass ein einzelner ausländischer Investor nicht mehr als 5 % in einer an der Börse gelisteten Firma halten konnte, während alle ausländischen Institution zusammen niemals mehr als 20 % halten konnten. Es ist zu erwarten, dass auch diese Beschränkungen gelockert werden, soll der kühne Schritt der Öffnung von TAWADUL für ausländische Investoren nicht dadurch letztlich konterkariert werden.

Was bedeutet also die Öffnung der Börse für ausländische Investoren für für den saudischen Kapitalmarkt? Was könnten einige der makroökonomischen Wirkungen sein?

Die Erwartung ist, dass durch die Eröffnung des Kapitalmarktes ausländisches Kapital angezogen wird, welches früher keinen Zugang zu Investitionsmöglichkeiten in Saudi Arabien hatte. Dieser Kapitalzufluss könnte in der Theorie zu vermehrten Investitionen in aussichtsreichen Sektoren führen, könnte neue Technologien ins Land bringen, könnte vermehrt zu IPO`s führen, und könnte insgesamt die „Corporate Governance“ verbessern. Das könnte wiederum zu größerer wirtschaftlicher Diversifikation führen und Arbeitskräfte schaffen, letzteres sicherlich eine wichtige wirtschaftspolitische und gesellschaftspolitische Priorität.

Insbesondere Institutionelle Investoren, wie Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Investitionsfonds sollen angezogen werden und damit einen Ausgleich schaffen für die Tatsache, dass momentan noch 80% des Handelsvolumens bei TAWADUL von Retail -Investoren erzielt wird.

Andererseits besteht allerdings auch das Risiko, dass – so einige Skeptiker - die Aktienkurse nach oben getrieben werden, dass sich eine Blase entwickelt, das dann saudische Investoren verkaufen und reales Investment letztlich doch nicht stattfindet.

Die Öffnung verschafft ausländische Investoren Zugang zu der größten wirtschaftenden Größen Kapitalmarkt im Nahen Osten. Saudi-Arabien ist die größte Wirtschaft im Nahen Osten, mit einem nominalen Bruttosozialprodukt von 752 Milliarden $ im Jahre 2014.

TAWADUL wird „Emerging Market Status“ erhalten

Die Initiative Saudi-Arabiens der erlaubt nunmehr ausländische Investoren, Risiko- und Gewinnerwartungen innerhalb der Investitionsmöglichkeiten des Golfkooperationsrates, speziell in den VAE und Katar und nunmehr also Qatar und jetzt Saudi-Arabien zu diversifizieren und zu verteilen. Es war ja gerade erst im letzten Jahr, im Mai 2014, daß sowohl die VAE wie auch Katar neu klassifiziert wurden und von „Frontier Status“ zu „Emerging Market Status“ hochgestuft wurden.

Saudi-Arabien könnte, so einige Experten, entweder direkt als Emerging Market qualifiziert werden oder aber spätestens im Jahre 2017 zu diesen Status bekommen.

Führt die Liberalisierung des Kapitalmarktes zu einer Diversifizierung der Wirtschaft in Saudi-Arabien?

Die Öffnung der Börse ist ein wichtiger aber eben nur ein Schritt in einem ökonomischen Gesamtprozess, der letztlich zu einer „Wirtschaft jenseits des Öls“ führen soll. Und auch innerhalb diese ersten Schrittes bedarf es Zwischenschritte, um nicht vom Weg abzukommen.

Effiziente Finanzmärkte verlangen Tiefe, d.h. eine ausreichende Größenordnung, um Transaktionen ohne zu großen „spread“ zwischen Angebot und Nachfrage durchführen zu können, und Liquidität, also etwa die Fähigkeit ,in den Markt hinein- und herauszugehen, ohne dass dies zu große Schwankungen auslöst.

Saudi-Arabien bedarf aktiver Geldmärkte, Bonds und Sukuks sowie einen Hypothekenmarkt für die Finanzierung von Wohnungsbauprojekten.

Auch sollte Saudi-Arabien die Öffnung seines Kapitalmarktes dazu nutzen, um mehr Notierungen sowohl von saudischen als auch von Firmen aus dem Golfkooperationsrates (dual listings) zu befördern.

Energiebezogene Unternehmen und Finanzunternehmen dominieren momentan in weitgehendem Maße die Börse. Es ist daher notwendig, die hohe Konzentration der Kapitalisierung in einer beschränkten Anzahl von Aktionären zu reduzieren. So machen momentan z.B. die Top 5 (einschließlich Rahji Bank und SABEC) mehr als 1/3 von TAWADUL unter sich aus.

Die Entwicklung der Finanzmärkte sollte auch Teil einer Strategie der wirtschaftlichen Diversifizierung sein durch die Anziehung von Kapital in lukrativen Sektoren, wie Tourismus und Hotelwesen, Transport, Erziehung, Gesundheitswesen, Services usw.

Die Zeit ist auch reif für ein Privatisierungsprogramm, z.B. Beispiel von Saudi-Airlines sowie mehr PPP Projekte in Infrastruktur und Logistik.

Sie sollte auch zu Arbeitsmarktreformen führen, um eine dynamische, vibrierende Wirtschaft zu kreieren, welche Arbeitsplätze für Generationen junger Saudis, Männer und Frauen, kreieren kann.

Als der Region größte Wirtschaft, kann und sollte Saudi-Arabien auch der Motor für Wachstum in der Region sein. Nimmt man die Rolle Saudi-Arabiens als wesentlicher Kapitalexporteur und seinen ungeheuren Wohlstand, sollte der saudische Markt offen sein für bereits an anderen Börsen der Region gehandelte Aktien (dual listings) . Die Börse in Saudi-Arabien sollte letzlich davon wegkommen, eine Insel zu sein und nach innen zuschauen. Sie sollt vielmehr e bestrebt sein, auch eine regionale Größe zu werden, die wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung der ganzen arabischen Welt und darüber hinaus befördert.


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